Projekt "Gesprächsrunde" - wertschätzende Kommunikation

 

Ich habe ja hier öfter schon die "Gesprächsrunde" erwähnt, und möchte euch heute dazu ein bisschen mehr erzählen.

 

 

Austausch auf wertschätzender Basis

 

Seit ich Kinder habe schätze ich Gruppen, in denen man sich austauschen, gegenseitig unterstützen und inspirieren, informieren und gemeinsam lachen kann. Anfangs war das die klassische "Stillgruppe", später die "Spielgruppe", das "MBSR Achtsamkeitstraining" und auch Gespräche bei einer Lebensberaterin als ich eine Zeit durchlebte in der sich der Druck und der Stress zu stark bemerkbar machten.

 

Was ich aus all diesen Gruppen gelernt habe ist folgendes:

* Es hilft mir sehr, zu wissen, dass es einen Menschen oder eine Gruppe gibt, zu dem/der ich gehen kann, wenn ich Hilfe und Unterstützung brauche.

* Es ist mir wichtig, dass ein offener, wertschätzender Umgang vorherrscht, dass man so sein darf, wie man ist und nicht bewertet wird, dass es kein "richtig" oder "falsch" gibt, dass berücksichtigt wird, das jeder seinen eigenen Weg geht, seine eigenen Sichtweisen und Entscheidungen mitbringt und diese aus gutem Grund.

* Es ist schön und hilfreich, wenn es einen roten Faden gibt (zB Achtsamkeit), aber der Rahmen sollte nicht zu eng gesteckt sein (in der Stillgruppe waren Mütter, die aus diversen Gründen nicht gestillt haben nur sehr selten).

Nachdem meine Kinder aus den Still- und Spielgruppen rausgewachsen waren, ich den Achtsamkeitskurs beendet hatte, die gröbsten Brocken mit der Lebensberaterin besprochen waren und ich wieder mehr Balance im Alltag gefunden hatte wünschte ich mir diesen Austausch weiterhin. Allerdings gab es dieses Angebot in meiner Nähe nicht. Immer mehr reifte die Idee heran, selbst eine Möglichkeit für den Austausch auf wertschätzender Basis anzubieten.

 

Also tüftelte ich an einem Konzept, überlegte mir einen passenden Rahmen und sprach mit Freundinnen über das Thema. Schlussendlich startete ich das Projekt Mitte April diesen Jahres im privaten Rahmen, mit einer kleinen Gruppe von Freundinnen und stellte meine Ideen vor. Nächste Woche geht es dann in die zweite Phase, mit dem ersten Abend, an dem ein konkretes Thema besprochen wird. Was ich besonders toll von allen Anwesenden fand, war die Tatsache, dass sie kamen, ohne genau zu wissen, was sie erwartete. Da ich wirklich nur sagen konnte: "Ich stelle mir vor, dass wir uns treffen und uns über Themen austauschen, die uns bewegen."

 

Am ersten Abend, nachdem ich dann das Konzept konkreter vorstellte, wurde dann allen klarer, was ich damit meinte und wie sich diese Diskussionen anfühlen könnten, und ich bekam einige positive Rückmeldungen. Was mir auch besonders wichtig war ist der bereits erwähnte rote Faden. Es soll die Wertschätzung und der gegenseitige Respekt im Vordergrund stehen. Und ich wünsche mir, dass jede/r Teilnehmer/in gestärkt wird und mit einem guten Gefühl und neuen Inspirationen nach Hause geht.

 

 

 

 

Das Konzept

 

Mein Konzept beruht auf Erfahrungswerten aus bisherigen Seminaren, an denen ich teilgenommen habe, und meiner Vision eines wertschätzenden, kommunikativen Umgangs miteinander.

 

Die Basis bildet die gegenseitige Wertschätzung, der Respekt voreinander und das Wissen, dass jeder gute Gründe für seine Handlungen und Sichtweisen hat. Es soll keineswegs so sein, dass wir am Ende des Abends alle einer Meinung sind, sondern, dass jeder zur Reflektion angeregt wird, und neue Inspiration für den eigenen Alltag mitnimmt.

 

Am ersten Abend habe ich meine Vision erläutert, und versucht dieses Gefühl, das ich damit verbinde zu vermitteln. Wenn jeder seine Wahrheit einbringt, können wir alle davon profitieren, und durch die Gemeinschaft entsteht ein vollkommen neues Bild, dass wir gemeinsam kreieren. Nur über Text und in der Theorie ist das relativ schwer zu übermitteln, aber im realen Miteinander gelingt das ganz gut.

 

Als Einstieg gab es danach eine kurze Vorstellungsrunde, da sich untereinander nicht alle kannten. Und im Anschluss daran notierten wir, was alle Anwesenden für die Gesprächsrunde als wichtig empfanden. Die Werte, die ich als Basis oben genannt hatte wurden noch ergänzt und verfeinert, und von uns allen unterschrieben, sozusagen als Charta, an die wir uns immer wieder erinnern können.

 

Die Gesprächsrunden sollen dann so ablaufen, dass zu Beginn eine kurze Einstimmung zum Ankommen angeboten wird, danach erfolgt eine Basisinformation zum jeweiligen, vorher gemeinsam festgelegten Thema des Abends, und im Anschluss tauschen wir uns über dieses Thema aus. Die Information und eventuell erforderliche Moderation der Diskussion gestaltet ein/e Teilnehmer/in, die/der sich mit diesem Thema schon beschäftigt hat oder die Gelegenheit nutzen möchte, um sich darüber zu informieren. Der zeitliche Rahmen ist als Anhaltspunkt grob vorgegeben.

 

Die Themensammlung fand beim ersten Treffen statt. Um das Ganze ein wenig freier zu gestalten, arbeiteten wir mit verschieden farbigen Papieren und Stiften und bewegten uns einfach im Raum und notierten, welche Themen wir gerne besprechen würden. Hier ging es um reines Interesse, und noch nicht darum, ob man sich mit dem Thema bereits beschäftigt hatte. Die Themen besprachen wir gemeinsam durch, damit wir alle wussten, was mit dem jeweiligen Stichwort oder Thema gemeint war.

 

Nach der groben Terminabstimmung für das zweite Treffen ließen wir den Abend noch bei einem gemütlichen Beisammensein mit Knabbereien ausklingen.

 

Im Anschluss an das erste Treffen fasste ich alle Themen in eine Liste zusammen und schickte sie per Mail an alle Teilnehmerinnen, damit diese die Wertung nach Interesse vornehmen konnten. Das Thema, dass die meisten interessierte wurde für das nächste Treffen festgelegt.

 

 

 

 

Momentaufnahme

 

Derzeit sind die Vorbereitung für das zweite Treffen in der kommenden Woche, und somit die erste "richtige" Gesprächsrunde mit dem Thema "Grenzen setzen", abgeschlossen. Es hat sich schon beim ersten Treffen gezeigt, dass interessante, konstruktive, humorvolle Gespräche enstehen können, und sich alle Teilnehmerinnen wohlgefühlt haben. Ich wünsche mir, dass das weiterhin so bleibt und freue mich auf den Austausch, neue Sichtweisen und wertvolle Diskussionen.

Die vielen Überlegungen und die lange Zeit des Vorbereitens und des Reifen lassens der Idee haben sich bezahlt gemacht, denn alle Anwesenden konnten etwas mit der Idee der Gesprächsrunde anfangen, sich darauf einlassen und sind gerne beim nächsten Mal wieder mit dabei.

 

 

Vorausschau

 

Ich hoffe, dass wir uns langfristig treffen werden und lebendige Gespräche führen, gemeinsam Themen reflektieren und voneinander lernen können, mit einer guten Kombination aus Humor und Tiefgang. Und ganz langfristig wünsche ich mir, dass es normal wird wertschätzend mit sich selbst umzugehen und wertschätzend miteinander zu kommunizieren.

 

 

 

Ich glaube, ihr merkt schon beim Lesen, mir liegt viel an der Gesprächsrunde. Die Idee dazu ist vor langer Zeit entstanden, und war eigentlich immer präsent. Jetzt finde ich es sehr schön, dass alle Teilnehmerinnen gemeinsam mit mir nun dieses Projekt weiterführen, tragen und gestalten.


 

Welche Themen beschäftigen euch gerade?

Worüber würdet ihr euch gerne mit anderen austauschen?

Findet ihr andere Sichtweisen hilfreich oder eher störend?

Wie wichtig sind euch Austausch und Gespräche?

 



Kommentar schreiben

Kommentare: 0