Wenn Worte meine Sprache wären...


 

Mein Monatsmotto vom Juni für mich ganz persönlich war, mich mit dem Thema "Worte" auseinanderzusetzen.
Der folgende Text wird sehr persönlich gefärbt sein, ich gebe euch einen Einblick in meinen Zugang zu diesem Thema. Ich habe auch ein wenig recherchiert, allerdings möchte ich meine persönliche Sicht in den Vordergrund stellen.
Falls jemand von euch einen Fachtext zum Thema hat oder Buchtipps - ich freue mich sehr, denn es ist immer noch "mein aktuelles Thema".

 

 

Warum habe ich das Monatsmotto gewählt?
Aus dem einfachen Grund, weil es mich derzeit beschäftigt, und eigentlich schon mein ganzes Leben lang.
Ich habe immer gerne gelesen und Menschen bewundert, die sich gut ausdrücken konnten. Die Geschichten lebendig werden lassen konnten durch ihre Worte und die mich in eine andere Welt, ihre Welt eintauchen ließen.
Für mich persönlich war die Sprache allerdings immer schon eine große Herausforderung. Seit ich denken kann habe ich eher in Bildern und vor allem in Gefühlen "gedacht" als in Worten. Somit ist es natürlich auch schwierig diese jemandem anderen zu kommunizieren. Ich wünschte mir so oft, es gäbe anstatt der Sprache die Telepathie als Kommunikationsmittel. Und eigentlich gibt es diese nonverbale Kommunikation ja auch. Wir nehmen sie nur oft nicht ernst, da sie so leise ist. Aber die authentische Sprache, wenn man Sprache - und Worte als ihren kleinsten Teil - als Mittel des Ausdrucks versteht, ist eigentlich die nonverbale. Denn Worte kann ich bewusst wählen. Gefühle, die Beziehung zueinander, die Tagesverfassung, meine Lebensgeschichte, meine Gedanken, alles was mich gerade beschäftigt und vieles mehr sind da. All das spielt in die Kommunikation mit hinein und ist spürbar.
Für mich persönlich sind Worte oft mehr ein Hindernis, als eine Brücke. Oft suche ich nach Worten, die beschreiben können, was ich ausdrücken möchte, oder ich habe überhaupt keine Worte, wenn ich zum Beispiel stark aufgewühlt bin.


Was konnte ich zum Thema recherchieren?
Der Eingangstext oben "Wenn Worte meine Sprache wären" stammt aus dem gleichnamigen Lied von Tim Bendzko und spiegelt sehr gut wider wie es mir oft geht.

Folgendes Zitat aus dem online-standard möchte ich zu diesem Thema gerne mit euch teilen:

"Einsprachigkeit gilt als Standard, Mehrsprachigkeit wird als Abweichung gesehen. Damit verbunden ist die verbreitete Vorstellung, dass es bei Kindern, die mehrsprachig aufwachsen, wichtig sei, dass sie zunächst einmal eine Sprache perfekt beherrschen. "Doch was heißt 'perfekt' überhaupt?", wendet Hans Karl Peterlini ein, Mehrsprachigkeitsforscher an der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt. Er sagt: "Es gibt einen Perfektionsmythos, an dem wir im Grunde alle nur scheitern können." Der Hauptzweck von Sprache sei, sich verständigen zu können. Anstatt der Konzentration auf fehlerlose Einsprachigkeit plädiert Peterlini dafür, der Mehrsprachigkeit deutlich mehr Wert als bisher beizumessen."Quelle:derstandard.at/2000038387514-629/Integration-Der-Mythos-vom-perfekten-Deutsch

Es geht hier zwar um Mehrsprachigkeit, der Kernpunkt für mich ist dabei aber der Zweck der Sprache, sich verständigen zu können. Dem kann ich persönlich nur voll und ganz zustimmen. Ich finde es zum Beispiel auch nicht schlimm, wenn sich die Sprache verändert, wenn englische Worte "eingedeutscht" werden oder jemand verschiedene Sprachen mischt, um etwas vermitteln zu können, das er gerne mitteilen möchte. Mir geht es in erster Linie um den Inhalt und erst in zweiter Linie um den ästhetischen Aspekt der Sprache.


 

Immer wieder kristallisiert sich für mich heraus: Worte sind für mich ein Ausdrucksmittel, genauso wie Musik, Malerei, Tanz usw.
Und wenn ich ein Ausdrucksmittel finde, das mir "liegt", mit dem ich mich eben gut ausdrücken kann, dann erfüllt es in meinen Augen seinen Zweck. Die Sprache ist für mich nur eines von vielen Mitteln zur Kommunikation. Da sie aber die klassische ist, kommt man wohl nicht darum herum, obwohl ich mir das schon sehr oft gewünscht hatte weil es nicht meine erste Wahl als Ausdrucksmittel ist. Meine erste Wahl wäre das Gefühl. Wenn man sich für einen Menschen öffnet erfährt man auch ohne Worte sehr viel. Aber im Alltag ist das nicht immer machbar. Deshalb habe ich für mich nun diesen Weg gewählt: mich mit dem Thema auseinanderzusetzen und dabei hoffentlich wieder ein Stück weiter zu kommen, mich wieder ein wenig anzunähern an die Möglichkeiten, sich auszudrücken, die man auch mit der Sprache hat.

 


 

Abschließen möchte ich mit einem Zitat von Mata Hari:


The  dance is a poem of which each movement is a word.

 

 

 

Und mit dem folgenden Gedicht:

 

Sprache-

Schauplatz

des Unsichtbaren;

die in aller Munde

blühende Fantasie

 

Sprache-

unser

Voraustastsinn

 

Sprache-

das unmöglich

wörtlich zu Nehmende;

des Geistes und der Geister Vormund;

die Verantwortung des Schweigens

(Elazar Benyoetz)

 


 

Wie denkt ihr darüber?

Wie geht es euch so mit der Sprache?

Fällt es euch leicht Worte zu finden und einfach drauflos zu reden?

Oder wägt ihr ab was ihr wie sagen wollt und wie es bei eurem Gegenüber ankommt?

Seid ihr auch manchmal sprachlos?

 


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Kommentare: 2
  • #1

    Sabina (Donnerstag, 14 Juli 2016 17:29)

    Ich finde, du hast sehr gute Worte gefunden um die "Schwierigkeiten" mit der Sprache zu veranschaulichen. Mir geht es wohl ähnlich. Vor allem wenn man mit den Worten etwas wie Trost oder Mut mitgeben möchte, bin ich oft verunsichert wie meine Wortwahl beim "Empfänger" ankommt und hoffe, dass auch die nonverbalen Botschaften wahr genommen werden. Wobei es manchmal gar nicht nötig ist die richtigen Worte zu finden, da auch oft einfach Zuhören ausreicht. Auch das fällt mir manchmal schwer ;-)
    PS: Deine Blog-Fotos sind sehr professionell!

  • #2

    Isabella (Freitag, 15 Juli 2016 09:28)

    Danke, liebe Sabina! <3

    Wenn ich Zeit und Muse habe finden sich die Worte manchmal von selbst ...

    Oh ja, zuhören fällt mir auch oft schwer. Und bei Themen, die einen selbst auch betroffen machen ist es verständlicherweise nicht so einfach die "richtigen" Worte zu finden. Ich denke, es ist schon hilfreich, einfach da zu sein.

    Freut mich, dass dir die Fotos gefallen. Bei Jimdo gibt es jetzt die Möglichkeit diese auch zu bearbeiten. Vielleicht wirken sie dadurch professioneller? :)

    Liebste Grüße,
    Isabella